VDMA-Präsidium: Die Kandidaten stellen sich vor

Im Mittelpunkt der VDMA-Mitgliederversammlung in Berlin am 10. und 11. November 2016 steht die Wahl des neuen Präsidiums.

Carl Martin Welcker führt, entwickelt und stärkt sein Unternehmen: Für den geschäftsführenden Gesellschafter der Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG mit Sitz in Köln ergibt sich daraus eine vielfältige Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und Gesellschaftern, aber auch ­gegenüber den Lieferanten und Nachbarn.

Welcker: Engagiert aus Überzeugung

Für Welcker, geboren 1960 in Köln, ist dies eine Aufgabe mit ­Familientradition – schließlich wurde das heutige Werkzeugmaschinenbau-Unternehmen Schütte bereits 1880 von seinem Urgroßvater gegründet und ist in der vierten Generation inhabergeführt. „Allein durch ihre Eigentümer bekommen Familien­betriebe eine spezifische DNA“, erklärt Welcker. Das gilt für den Umgang mit Mitarbeitern, aber auch für Produkte und deren Gestaltung bis hin zu Verkaufspraktiken und zur Kleiderordnung. Daher ist es bei der Weiterentwicklung ­eines Unternehmens wichtig, diese Familien­traditionen und Eigenheiten zu kennen und auf ihnen aufzubauen. „Der Leitspruch meines Urgroßvaters war: ­Innovativ in der Technik und konservativ in der Bilanz. Diesen Gedanken versuchen wir auch heute noch umzusetzen“, erläutert er.

Welcker engagiert sich schon seit dem Jahr 2001 im VDMA: 2004 bis 2010 stand er dem Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) vor, seit 2010 ist er Vizepräsident des VDMA. Der Schritt zum Engagement im Verband ­erfolgte schon vor mehr als 20 Jahren im Marketing-Ausschuss des Fach­bereichs Werkzeugmaschinen. Für den ausgebildeten ­Maschinenschlosser und studierten Wirtschaftsingenieur gilt, dass jede Gesellschaft nur so gut ist wie das Engagement ihrer Bürger. Unternehmer engagieren sich in seinen Augen häufig durch ihr Handeln, sei es durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, das Erfinden von Produkten oder die Gestaltung von Räumen und Gebäuden.

Zwar glaubt Welcker, dass Unternehmer nicht zu jedem politischen Thema Stellung beziehen müssen, aber sie könnten Daten und Fakten beisteuern und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.

Was Welcker Sorgen macht, ist die wachsende Unbeständigkeit der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und in diesen sieht er auch die wohl größte Herausforderung für Unternehmer. Dies gilt für die zunehmende Volatilität der Nachfrage ebenso wie für die Unberechenbarkeit politischer Entscheidungen. Sei es bei Ausfuhr- und Handelsbarrieren, bei neuen Gesetzen oder Verboten oder sogar Boykotten. Das Planen des wirtschaftlichen Handelns werde dadurch erschwert, betont der bekennende Kölner.

Haeusgen: Lebenslanges Lernen

Karl Haeusgen, Sprecher des Vorstands der Hawe Hydraulik SE mit Sitz in München, versteht das Unternehmen als soziales System. Dieses kann nach Auffassung des 50-jährigen Betriebswirts bestehen, wenn es die Ansprüche aus unterschiedlichen Perspektiven in ein stabiles Gleichgewicht bringt. Für ihn ist das Unternehmen kein Selbstzweck, sondern dient den Anspruchsträgern – also den Mitarbeitern, Eigentümern, Kunden, Kapitalgebern, der Umwelt und Gemeinde, dem Staat und der Gesellschaft. Haeusgen ­betont, dass die Unter­nehmer­ver­antwortung darin be­steht, zwischen all diesen Anspruchsträgern Gleichgewichte zu suchen, abzuwägen und durch unternehmerisches Handeln sicherzustellen. „Daraus ergibt sich eine Unternehmeraufgabe, die immer wieder neue Aspekte mit sich bringt. Lebenslanges Lernen und der immerwährende Umgang mit Risiko und Verantwortung sind garantiert“, stellt er fest.

Seit 1994 ist Haeusgen im VDMA aktiv. Er gehörte dem Vorstand des VDMA-Fachbereichs Fluidtechnik an, war Vorsitzender des Vorstands des VDMA Bayern von 2008 bis 2014 und seit 2013 VDMA-Vizepräsident. Für Haeusgen gilt: „Je intensiver ich im Verband mit­arbeite, desto fruchtbarer ist der Verband für die Hawe Hydraulik SE.“ Haeusgen leitet das Unternehmen bereits in der dritten Generation und das seit 20 Jahren. Es war, wie der Enkel eines der beiden Firmengründer erklärt, immer schon Ziel, den Betrieb so aufzustellen, dass er auch den Ausfall eines Unternehmers oder gar den Rückzug der Unternehmerfamilie verkraften kann.

Auch ist er der Meinung, dass die Unternehmerperspektive in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion eine viel zu kleine ­Rolle spielt. Unter­nehmer müssten ihre Perspektive und ihre ­Ansprüche an andere Systeme gesellschaftsdienlich einbringen, fordert ­Haeusgen. Allerdings brauchen die Unternehmer in diesem Punkt den Verband als Koordinator, Verstärker und Multiplikator. Eine der größten Herausforderungen sieht er darin, das Gleichgewicht zwischen defensiven Maßnahmen bei der Kostenstruktur, der Risikoverminderung und offensiven Maßnahmen für das Unternehmenswachstum in der Produktentwicklung sowie im internationalen Vertrieb und Marketing zu ­finden.

Haeusgens Gefühl ist, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen von Risiken zugenommen haben. „Und so viele Chancen die globale Vernetzung der Unternehmen auch bietet, ebenso viele Risiken stehen dem gegenüber. Darauf will ich Hawe vorbereiten. Defensiv wie offensiv.“

Basler: Unerschrocken und produktiv

Norbert Basler ist der Neue in der Reihe der Präsidiums-Kandidaten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Basler AG mit Sitz in Ahrensburg engagiert sich seit 2013 im VDMA. Er arbeitet im Ausschuss Forschung und Innovation mit und wurde 2015 in den Vorstand des VDMA Nord gewählt. Der Maschinenbauingenieur gründete während ­seines Stu­diums im Technikzentrum Lübeck gemeinsam mit einem Kommilitonen die Basler und Berendsen GmbH, die ­später zur Basler AG wurde. Im Frühjahr 2000 wechselte er aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat und wurde 2003 zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt.

Aus seiner beruflichen Erfahrung kann Basler sagen: Verantwortung und Aufgabe eines Unternehmers liegen in der Identifikation von Chancen sowie in der Entwicklung und Umsetzung von Ideen. In seinen Augen gleicht ein Unternehmer Angebot und Nachfrage aus und passt das Wirtschaftsgeschehen durch die Ablösung existierender und die Schaffung neuer Strukturen an. Jedoch steht für den 1963 in Berlin geborenen Maschinenbauer fest: Ein Unternehmer trägt auch politische und gesellschaftliche Verantwortung, die vor allem darin besteht, die Gesellschaft durch nachhaltigen Erfolg, persönliches Engagement und anständiges Verhalten und Handeln mit profitieren zu lassen.

Auch vor großen politischen Themen wie der Erbschaftsteuer oder TTIP darf ein Unternehmer nicht zurückschrecken: So bemängelt Basler, dass beispielsweise die Bedeutung des Freihandels für Volkswirtschaft und Wohlstand oder die Bedeutung der familiengeführten Unternehmen wie auch die Eigenheiten unternehmerischen Vermögens nicht hinreichend im Bewusstsein verankert sind. Insbesondere der direkte Dialog zwischen Politiker und Unternehmer ist, wie er findet, geeignet, Verständnis zu erzeugen. Schließlich kann sich jeder Unternehmer in Politik oder Verbänden engagieren.

Das Unternehmenswachstum bewältigen und zudem die Mitarbeiter­produktivität kontinuierlich verbessern, zählt Basler zu den größten Herausforderungen auf Unternehmensseite. Gepaart mit dem langfristig vorzubereitenden Generationenübergang und dem Erhalt des Unternehmens als Familienunternehmen. Die sich hinziehenden und ­unberechenbaren politischen Debatten und Prozesse zur Erbschaftsbesteuerung von Betriebsvermögen beurteilt Basler entsprechend als wenig hilfreich in diesem Punkt.

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